Die sechs Grundpfeiler unserer Arche

Keimende Kartoffel © pixabay.com

"Denn - man verlässt sich darauf, daß eine Sammlung von einer Institution betreut wird. Doch plötzlich ist alles anders: Personelle Veränderungen, Auflösung der gesamten Einrichtung, Einflußnahme anderer Interessensgruppen, falsche Entscheidungen über Erhaltung oder Lagerung, Weitergabe des Materials und die Sammlung ist gefährdet."  
(Nancy Arrowsmith im Jahreskatalog 1995)

Arche Noah zurück auf Kurs bringen

Die 6 Grundpfeiler unserer Arche Noah

gemeinsam geschrieben
Es gibt vieles, was derzeit falsch läuft in unserer Arche! Unsere Kritikpunkte, aber auch unsere Vision von einer Arche Noah mit Zukunft haben wir in dem folgenden Text zusammengestellt.
Am Textende gibts auch die Möglichkeit zum Download.

1. Das ErhalterInnen-Netzwerk:

Worum geht es?
Die ErhalterInnen leisten unschätzbare ehrenamtliche Arbeit. Sie sammeln, hüten und entwickeln wertvolle Kulturpflanzensorten an den verschiedensten Standorten in ganz Mitteleuropa. Sie bewahren darüber hinaus wertvolles Erfahrungswissen.
Das Konzept, Saatgut und Know-How dezentral zu erhalten und weiterzuentwickeln, ist einzigartig und ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal des Vereins. Es ist das Herzstück der gesamten Bewegung. Derzeit ist es durch Personalabbau und fehlende
Vernetzung massiv geschwächt.

Daher fordern wir:
  • Eine personell ausreichend ausgestattete Betreuung des Netzwerkes.
  • Fachliche und wissenschaftliche Unterstützung der dezentralen Erhaltungsarbeit.
  • Verankerung des Erhalter-Netzwerkes mit seiner Funktion in den Vereinsstatuten.
  • Zugang zu den Archivsorten für ErhalterInnen.
  • Dokumentation der dezentralen Erhaltungsarbeit in einem gedruckten Sortenhandbuch.
  • Anerkennung der Leistung der ErhalterInnen.
  • Einstellung von Vereinsaktivitäten, die das Erhaltungsnetzwerk schwächen
  • Einrichtung eines ErhalterInnenbeirats als Interessensvertretung

2. Das Samenarchiv

Worum geht es?
In den Sortenhandbüchern der 90er-Jahre ist dokumentiert, dass fast alle ErhalterInnen Saatgut für den Aufbau des Archivs dem Verein zu treuen Handen anvertraut haben. Der Umfang der Sammlung stagniert trotz laufender Zugänge. 2001 waren 6.500 Sorten verzeichnet, heute sind es nur mehr 5.500.
Der Zweck dieser Sammlung: „Der Verein Arche Noah unterhält zur zusätzlichen Absicherung der Sorten auch ein Samenarchiv von rund 6000 Sorten und Herkünften. Diese Sorten werden regelmäßig im Schaugarten zur Samengewinnung angebaut und werden an Mitglieder und Interessenten weitergegeben, die sie im eigenen Garten erhalten und nutzen wollen.“ (1998, Peter Scherenzel/Zipser
und Beate Koller im Sortenhandbuch).

Daher fordern wir:
  • Erhaltung bzw. Ausbau des gesamten vorhandenen Bestandes an Gemüse- und Obstsorten
  • Stopp der neuen Archiv-Strategie, nach der nur mehr 20 % der Sorten aktiv erhalten werden sollen und 80 % tiefgekühlt.
  • Rechtsverbindliche Nutzungsvereinbarungen bei Abgabe an Züchtungsfirmen. Sammlungsmaterial sowie Züchtungsprodukte daraus müssen bis in alle Zukunft frei verfügbares Gemeingut bleiben.
  • Beschluss der Nutzungsvereinbarung durch die Mitgliederversammlung
  • Offenlegung der Saatgutabgabe- und Eingangsprotokolle.
  • Das Saatgut im Archiv über eine für Mitglieder frei zugängliche Sortenliste verfügbar machen.

3. Das Sortenhandbuch:

Worum geht es?
Das gedruckte Sortenhandbuch ist Dokumentation der Tätigkeit, Nachschlagewerk, Tauschplattform und Arbeitsbehelf für die ErhalterInnen und vermittelt die grundlegenden Ziele des Vereins. Darüber hinaus ist es das einzige für alle zugängliche Beweismittel, in dem die jahrelange gemeinschaftliche Erhaltung der einzelnen freien Sorten dauerhaft  dokumentiert ist.
Das gedruckte Sortenhandbuch ist ein zentrales Verbindungsstück im Netzwerk und als solches
unverzichtbar. Schwerpunkt des Sortenhandbuchs ist standortangepasste Vielfalt, es macht diese direkt sichtbar, die Stärke des Netzwerks spürbar und ermächtigt Mitglieder, eigenverantwortlich aktiv zu werden. Die Einstellung des gedruckten Sortenhandbuchs, parallel zu einer zunehmenden
Marktorientierung des Vereins mit massiver Werbung für den Samen- und Pflanzenverkauf durch den Verein, hat dazu geführt, dass kaum mehr Bestellungen bei den ErhalterInnen einlangen.
Bis zur Vereinskrise 2017 war es als zentrales Medium in den Statuten verankert, auf der
Mitgliederversammlung am 1.2.2020 hat sich eine Mehrheit für die Wiedereinführung des Druckwerks ausgesprochen.

Daher fordern wir:
  • Das Sortenhandbuch soll wieder regelmäßig und in kurzen Abständen in gedruckter Form erscheinen.
  • Die Einträge sind vorher zu aktualisieren.
  • Ergänzend dazu ist eine funktionstüchtige Datenbank mit praxisauglicher Suchfunktion aufzubauen.
  • An einer Neukonzeption des gedruckten Sortenhandbuches sind die ErhalterInnen und die NutzerInnen in einer breiten Diskussion zu beteiligen.
  • Die Angebote der ErhalterInnen sind in den Online-Verkauf des Samenarchivs einzubeziehen.

4. Schutz des Saatgutes vor Missbrauch:

Worum geht es?
Vereinszweck der Arche Noah ist die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt. Das bedeutet auch, die Weitergabe klar zu regeln. Nur so kann das kollektive Eigentum, das sich in Archiv und Netzwerk befindet, vor missbräuchlicher Verwendung geschützt und der freie Zugang zum Saatgut sichergestellt werden. Unter missbräuchlicher Verwendung verstehen wir gentechnische Veränderungen und Anmeldung von geistigen Eigentumsrechten in Form von Sortenschutz und Patentierung, sowie den Diebstahl von Sortennamen und Know-How.
Angriffe auf diese, unsere Ressourcen sind durch besondere Wachsamkeit und vermehrten Einsatz abzuwehren, denn in Zeiten des Klimawandels ist Bio-Piraterie eine aktuelle Gefahr für unser freies Saatgut. Saatgut aus dem Archiv soll an Firmen und Forschungseinrichtungen unter klaren Bedingungen abgegeben werden, die garantieren, dass es und alle Züchtungsprodukte weiterhin uneingeschränkt für alle Menschen verfügbar, nutzbar und handelbar bleibt.

Daher fordern wir:
  • Eine klare und unmissverständliche Formulierung in den Nutzungsbedingungen, dass die Anmeldung von Sortenschutz nicht gestattet ist. Bis zum Vorliegen eines neuen, wasserdichten Weitergabevertrags ist die Saatgutabgabe einzustellen.
  • Dezidierte Aufnahme von Strafbestimmungen in die Nutzungsbedingungen.
  • Die Arche Noah hat sich aus Kooperationen mit der Saatgutindustrie zurückzuziehen. Diese entsprechen nicht unseren Grundwerten.
  • In Zukunft ist ein unabhängiges Gremium einzurichten, dass vor Abschluss von Kooperationsverträgen aller Art deren Übereinstimmung mit den Grundwerten der Arche Noah überprüft.

5. Politische Arbeit:

Worum geht es?
„Es ist unsere grundsätzliche Position, dass Pflanzen und Sorten, die in Jahrtausenden sich entwickelt
haben, Gemeingut sind und auch für alle weiterhin zugänglich bleiben müssen.“
Mit diesem Grundsatz hat sich die Arche Noah stets in die Politik eingebracht. Sie war maßgeblich daran
beteiligt, die EU-Saatgutverordnung zu kippen.
Wie bleiben unsere Kulturpflanzensorten Allgemeingut? Bio-Piraterie ist aktueller denn je und der
Klimawandel hat einen weltweiten Wettkampf um die letzten Saatgut-Ressourcen ausgelöst.
Der Einsatz für Saatgutsouveränität als Menschenrecht muss im Mittelpunkt der politischen Arbeit
stehen.

Daher fordern wir:
  • Die Arche Noah soll sich weiterhin federführend weltweit, auf EU- und auf nationalstaatlicher Ebene für einen freien Zugang zu Saatgut, gegen jegliche Form von Gentechnik und gegen Patente und exklusive Eigentumsreche auf Leben einsetzen.
  • Eine ausreichende personelle Ausstattung, um unsere Anliegen in Brüssel schlagkräftig zu vertreten und auf die Saatgutgesetzgebung Einfluss zu nehmen.
  • Klare und eindeutige Formulierung unserer ureigensten Anliegen und aktive internationale Zusammenarbeit mit anderen Organisationen.
  • Fundierte Öffentlichkeitsarbeit für Saatgutsouveränität als Menschenrecht.

6. Partizipation, Demokratie und Mitbestimmung:

Worum geht es?
Die Arche Noah, wie wir sie leben, ist ein dynamisches Netzwerk. Mitglieder werden eingeladen,
mitzureden und ihre Ideen einzubringen. Offene Arbeitsgruppen erarbeiten Vorschläge. Insbesondere die ErhalterInnen sind in regem Kontakt mit MitarbeiterInnen und Vorstand. Am Zukunftsforum treffen sich engagierte Mitglieder, überlegen gemeinsam und diskutieren über aktuelle Entwicklungen, Ideen
und Kritikpunkte.
Der wissenschaftliche Beirat steht dem Vorstand in inhaltlichen Fragen mit seiner Expertise zur Seite.
Ein gewählter ErhalterInnenbeirat vertritt die Interessen der ErhalterInnen bzw. des dezentralen Netzwerks. Er wird über alle aktuellen Entwicklungen informiert und schaut darauf, dass die Tätigkeiten des Vereins den grundsätzlichen Zielen und Werten dienen.

Daher fordern wir:
  • Arche Noah sollte sich auf Vertiefung und Optimierung der zuvor genannten Hauptaufgaben konzentrieren, weniger auf eine Erweiterung der Aufgabenbereiche, besonders hinsichtlich Kreuzungszüchtung, Vermarktung, Werbung und Spendenrekrutierung.
  • Reaktivierung und Ausbau des wissenschaftlichen Beirats, der den Vorstand mit seiner Expertiseinsbesondere in Fragen der Erhaltungsstrategie und der wissenschaftlichen Legitimation unterstützt.
  • Die Mitgliederversammlung darf nicht als Abstimmungsritual missbraucht werden. Diskussion muss möglich sein, Anträge dürfen nicht unterdrückt werden, entscheidungsrelevante Informationen dürfen nicht unterdrückt oder verfälscht werden.
  • Mitgliederversammlungen, bei denen extremer Zeitdruck aufgebaut wird, keine Pausen gewährt werden und nicht für Verpflegung gesorgt ist, sind unwürdig. Sie dürfen nie wieder geschehen.
  • Für die folgende Online-Mitgliederversammlung ist vorsorglich ein zweiter Termin vorzusehen, um der Mitgliederpartizipation ausreichend Raum zu gewähren.
  • Wir fordern ein ZUKUNFTSFORUM !
wer hat das geschrieben? Hier gehts zum Download des Positionspapiers
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